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Lord Parshvanaths Mitgefühl
Einst führte ein Einsiedler namens Kamath
am Rande der Stadt ein Opferritual aus. Er trug nur ein einziges
Kleidungsstück und hatte seinen Körper mit Asche eingerieben. Die Sonne
schien, und es war sehr heiß. Der Eremit hatte überall um sich herum
Opferfeuer angezündet, und die aus der ganzen Stadt herbeiströmenden
Menschen staunten über die entsagungsvolle Durchführung. Sie verneigten sich
ehrfürchtig vor Kamath und er segnete sie.
Prinz Parshvanath bemerkte den
Menschenstrom und wollte sehen , was vorging. Er ging hinüber und wunderte
sich über die selbst auferlegte Strenge des Eremiten. Doch bald bemerkte er
dank seiner übersinnlichen Fähigkeiten, dass eine Schlange in einem der
Holzscheite verbrannte. Der Prinz empfand Mitgefühl für den Einsiedler, der,
ohne es zu wissen, gegenüber dieser großen Gewalttätigkeit Nachsicht zeigte.
Prinz Parshvanath sprach: „Oh Einsiedler, was tust du da? Hast du bemerkt,
dass dort in dem Feuer eine Schlange verbrennt? Das ist aber keine gute
Zeremonie, die du da durchführst.“

Nachdem er diese Worte vernommen hatte,
wurde der Einsiedler sehr zornig. „Oh, du ungezogener Bengel,“ rief er, „was
weißt du schon über diese heilige Zeremonie? Du bist sehr unverschämt.“
Prinz Parshvanath nahm keine Notiz von dem
Eremiten und bat seinen Diener, den Holzscheit herauszuziehen und ihn
aufzuhacken. Zu jedermanns Überraschung fiel eine halbverkohlte Schlange
heraus. Der Einsiedler schämte sich und wurde ganz blass. Der Prinz trug der
sterbenden Schlange das Namokar Mantra vor, die ihm dafür von Herzen dankte
und unter der Wirkung des Namokar Mantras in Frieden sterben konnte. Dank
ihrer heiteren Gemütsruhe, die sie beim Lauschen des Mantras erlangte, wurde
sie als Dharanendra wiedergeboren, als König der himmlischen Engel.
Alle Leute verließen den Ort des
Geschehens in tiefes Nachdenken versunken über den Ablauf der Zeremonie.
Kamath fühlte sich blamiert und entfernte sich voller Wut und Hass auf den
Prinzen. Kamath starb bald darauf, ohne seine Wut und seinen Hass gegenüber
dem Prinzen zu bereuen. Da er jedoch einige harte Entbehrungen auf sich
genommen hatte, wurde er als Engel namens Meghkumar wiedergeboren, der
Verfügungsgewalt über den Regen ausübt.
Prinz Parshvanath wurde König der Stadt
Varanasi. Einige Jahre später entsagte er der Welt und wurde Mönch. Eines
Tages, als er tief in die Meditation versunken stand, sah ihn der Engel
Meghkumar. Meghkumars Zorn kannte wegen seines Zornes auf Parshvanath
während seines früheren Lebens kein Mass. Er beschloss, sich zu rächen, und
erfand viele körperliche Qualen für den Mönch Parshvanath. Dieser war tief
in die Meditation versunken und ließ sich nicht stören. Das machte Meghkumar
wütend. Er ließ es blitzen und donnern und heftig regnen, so dass das Wasser
zu strömen begann und sein Pegel anstieg.
Da begann Dharanendras Thron zu rütteln
und zu schütteln. Dieser bediente sich seiner himmlischen Energien um
herauszufinden, was geschehen war. Als er sah, wie der Mönch Parshvanath von
Meghkumar belästigt wurde, kam er als vielköpfige Schlange auf die Erde. Er
breitete seine Hauben wie einen Schirm über dem Mönch aus und schützte ihn
vor dem strömenden Regen. Voller Zorn wandte er sich an Meghkumar: „Du
grausame Kreatur, weißt du, was du tust? Warum häufst du immer mehr Sünden
an, indem du Parshvanath soviel Schaden zufügst? Höre sofort mit der
Verwüstung auf!“ Der Mönch war so tief in die Meditation versunken, dass er
gar nicht mitbekommen hatte, was vorgegangen war.
Meghkumar bekam Angst vor Dharanendras
Zorn und beseitigte das Wasser sofort. Er bat Parshvanath um Vergebung und
ging von dannen. Kurz darauf erlangte Parshvanath Allwissenheit und wurde
der dreiundzwanzigste Tirthankara des gegenwärtigen Zeitalters.
Fragen:
1)
Was hat Kamath getan?
2)
Warum bat Prinz Parshvanath seinen Diener, den Holzscheit aus
dem Feuer zu ziehen?
3)
Warum wurde die Schlange in ihrem nächsten Leben ein
himmlischer Engel?
4)
Warum ließ es Meghkumar so heftig auf Parshvanath regnen?
5)
Was tat Dharanendra? Warum?
6)
Wie benahm sich Meghkumar gegenüber dem Mönch, bevor er von
dannen ging?
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